Der Gründer von New York und der Erfinder des Fernrohrs waren KDG Absolventen!

Peter Minuit 1580-1638

Ein Weseler Junge und ein großer Amerikaner — der Gründer der Städte New York und Wilmington

Peter Minuit wurde um 1587 – die Taufregister der reformierten Stadtkirchen Willibrord und Mathena setzen erst einige Jahre später ein – als Sohn des Jean Minuit und seiner Ehefrau Sarah v. Breil aus Kleve geboren. Sein Vater, ein vermögender Hugenotte, kam 1568 aus Valenciennes nach Wesel.

Nach dessen Tode 1609 übernahm Peter Minuit den Hausstand seines Vaters. Er war ein in Wesel angesehener Mann und wurde wiederholt vom Magistrat zum Vormund bestimmt. An der Willibrordi-Kirche war er Diakon und nahm sich kraft dieses Amtes in der reformierten Gemeinde der Armen und Hilfesuchenden an.

Am 20. August 1613 heiratete er Gertrud Raedt aus Kleve. Zwei Jahre später, als die spanischen Truppen unter Spinola in Wesel eingezogen waren und für ihn auf Grund seiner Herkunft die Lage in der Stadt gefährlich geworden war, siedelte er zunächst nach Utrecht und später nach Amsterdam um. Dort wurde er Direktor der Niederländisch-Westindischen Companie. Da er bereits einige erfolgreiche Reisen nach Ostindien und Brasilien unternommen hatte, bestellte man ihn zum Generaldirektor von Neu-Niederland. Mit „Het Meeuwtje“ und dem Begleitschiff „Oranjeboom“ segelte er am 19.1.1626 von Texel nach Amerika und erreichte nach 155 Tagen Manhattan. Er kaufte von den Manhatto-Indianern die Insel mit 11.000 Morgen Land für Perlenschmuck und Stoffe im Wert von 60 Gulden = 24 Dollar („der günstigste Landkauf aller Zeiten“), weil die Indianer das niederländische Papiergeld nicht annehmen wollten, und gründete Neu-Amsterdam, das spätere New York. Auf Grund seiner angeblich zu großzügigen Einstellung den Urein­wohnern gegenüber wurde er 1631 von seiner Gesellschaft abberufen.

1635 gewann er die Aufmerksamkeit des schwedischen Grafen Oxenstierna; dieser war König Gustav Adolfs Minister gewesen und führte nun die Regentschaft für dessen minderjährige Tochter Christina. Minuit erhielt den Auftrag, für die schwedische Krone die Kolonisierung am Delaware vorzunehmen. Er beteiligte sich auch finanziell an diesem Vorhaben und verließ am 31.12.1637 Göteborg mit den Schiffen „Kalmare Nyckel“ und „Fogel Gryp“ mit Kurs auf Amerika. Am Dela­ware legte er ein Fort an, das er zu Ehren der jungen Königin „Christina“ nannte, und gründete die Stadt Wilmington.

Peter Minuit war ein angesehener Gouverneur und galt als Freund der Indianer. 1638 besuchte er einen alten Weggenossen auf dessen Schiff. Ein Hurricane kam auf, zerriss die Trossen und warf die Schiffe in die offene See; alle Mitglieder der Mannschaften und Gäste ließen ihr Leben vor der Küste von St. Christopher.

New York ehrte seinen „ersten Bürgermeister“ auf einem Findling gegenüber der Freiheitsstatue. Wilmington widmete ihm ein mächtiges Bronzedenkmal. Peter Minuit, ein hochintelligenter, tüchtiger und weitsichtiger Mann, trug somit bereits vor 366 Jahren den Namen unserer Heimatstadt in die Neue Welt.

Quellen: Archive der Städte Wesel, Amsterdam und Stockholm

Heinrich Peitsch, Wesel, Siegfried Landers

Hans Lipperhey 1570-1619

Galilei hätte ihm dankbar sein müssen — dem Erfinder des Fernrohres

Der Linsenschleifer und Brillenmacher Hans Lipperhey wurde 1572 in Wesel geboren und ging 1591 nach Middelburg (Zeeland). Dort war eine vom Staat geförderte Glasmanufaktur, die auch Kristallglas herstellte und auch Auswärtigen zu guten Bedingungen einen Arbeitsplatz anbot.

Bald machte Hans Lipperhey sich in Middelburg selbständig, und eines Tages, so heißt es, „setzte er ein hohles und ein erhabenes Brillenglas in ein Rohr so hintereinander, dass er ferne Dinge nah sehen konnte.“ Am 2. Oktober 1608 führt er seine Erfindung den Generalstaaten im Haag vor. Dort erhielt er den Rat, seine Erfindung Sr. Excellenz, dem Prinzen Moritz von Oranien, vorzuzeigen, und man gab ihm eine entsprechende schriftliche Empfehlung in den Palast nach Den Haag mit.

Hans Lipperhey überreichte sein Fernrohr dem Prinzen in Anwesenheit dessen Bruders, des Prinzen Heinrich, und des spanischen Heerführers Graf Ambrosius Spinola. Der gerade abgeschlossene befristete Waffenstillstand mitten im achtzigjährigen Krieg zwischen Spanien und den Niederländern hatte dieses Zusammentreffen möglich gemacht.

Als auch dieser durch das Fernrohr sehen durfte, soll er voll Erstaunen gerufen haben: „Von jetzt an bin ich nicht mehr in Sicherheit, da Ihr mich von weitem sehen und somit auch erschießen könnt.“ Prinz Heinrich habe versprochen, er werde seine Soldaten anweisen, nicht auf ihn zu schießen.

Die Generalstaaten hatten Lipperhey inzwischen gebeten zu versuchen, ob sein Fernrohr sich nicht verbessern lasse „dermaßen, dass man dadurch mit zwei Augen sehen könne.“ Dieser legte dann am 15. Dezember 1608 auch sein Doppelfernrohr vor und erhielt den Auftrag, drei Fernrohre für 900 Gulden zu liefern.

Im Juli 1609 hörte Galilei von dieser neuen Erfindung; er baute ein weit größeres Fernrohr und führte es am 21. August 1609 der Signorie von Venedig auf dem Turm von S. Marco vor. Mit seinem Fernrohr machte er die berühmten astronomischen Entdeckungen, so dass er auf Lebenszeit zum Hochschullehrer in Padua mit einem Gehalt von 400 Dukaten bestellt wurde.

Quellen:

Rolf Rieker, Fernrohre und ihre MeisterA.König und H. Köhler, Die Fernrohre und EntfernungsmesserArchive der Städte Wesel, Middelburg und Amsterdam

Siegfried Landers

Erich Leyens 1898-2001

Am 13. Januar 1998 ist Herr Erich Leyens 100 Jahre alt geworden. Er ist, soweit sich das hier feststellen läßt, der älteste Schüler des KDG. Erich Leyens stammt aus einer angesehenen Weseler Familie, ihr gehörte das große Textil-Kaufhaus Leyens & Levenbach, welches die Ostseite des Großen Marktes einnahm (heute steht dort die Volksbank Rhein Lippe). Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges meldete er sich mit seinen beiden älteren Brüdern als Sechzehnjähriger zum Dienst in einem Weseler Regiment. Aus diesem Kriege zurückgekehrt, trat er in das väterliche Geschäft ein. Unvergessen ist in Wesel bei den älteren eingesessenen Bürgern sein Verhalten am 1. April 1933, als SA-Männer in ganz Deutschland zum Boykott jüdischer Geschäfte aufriefen, deren Schaufenster mit dem Davidstern beschmierten und sich mit umgehängten Plakaten „Deutsche! Wehrt euch, kauft nicht bei Juden!“ neben die Geschäftseingänge postierten, um Kunden am Betreten der Geschäfte zu hindern. Erich Leyens stellte sich in seiner Felduniform neben sie und verteilte eilig gedruckte Flugblätter, auf denen er das vom Staat geduldete Unrecht anprangerte.

1934 verließ er seine Heimatstadt und Deutschland. Als Hitler von 1939 an seinen Machtbereich über große Teile Europas auszudehnen begann, hatte er den Kontinent bereits verlassen und entging so dem Schicksal, das von Deutschen ihren jüdischen Mitbürgern und den Juden in Europa bereitet worden ist. Zu den Opfern gehörten seine Mutter und seine Schwester.

Über mehrere Zwischenstationen kam er 1942 in die Vereinigten Staaten, deren Staatsbürgerschaft er erwarb. Dort ist es ihm gelungen, nach dem Verlust des Familienvermögens in Wesel sich eine zweite wirtschaftlich gesicherte Existenz aufzubauen. Seit einigen Jahren lebt er in Konstanz am Bodensee.

Eine Reihe von Frauen und Männern aus Wesel stehen mit ihm in Verbindung. Wer ihn besucht, ist beeindruckt von seinen Umgangsformen, seiner Gesprächsbereitschaft zu jedem Thema und von seiner umfassenden Gastfreundschaft; wer sich mit ihm unterhält, ist beeindruckt von seiner profunden historischen und literarischen Bildung, die erkennbar wird, ohne dass er sie zur Schau stellt.

Heinz Bello 1920-1944

Er gehörte 1939 zum Jahrgang der letzten We­seler Pennäler, die ein Friedensabi­tur machten.

Schimpfrede denunziert

Heinz Bello wurde in Breslau ge­boren, wuchs aber in Wesel auf. Nach Kriegseinsätzen in Rußland war der dekorierte Soldat zum Me­dizinstudium nach Münster kom­mandiert worden. Hier hatte er am 20. Juli 1943 Luftschutzdienst im Borromaeum und Ludgerianum zu leisten, deshalb einen Musizier­abend abgesagt. Als er zu Dienst kam sah er, dass er von den Plänen gestrichen war und ärgerte sich laut. „Dafür hat man nun seien Mu­sizierabend abgesagt! Die Later­nenpfähle Münsters reichen nicht aus, die Nazis und Kommissköpfe daran aufzuhängen.“ Und mit Blick auf ein Kruzifix weiter: „Solange dieser Herrgott lebt, wird er schon dafür sorgen dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen!“

Zeugen der Szene waren Fahnen­junker-Feldwebel Karl Josef Eversmann (25) und Unteroffizier Hans Bernreiter (36). Letzterer hielt sich nicht an das Abkommen, Schwei­gen zu wahren, und denunzierte Bello acht Monate später bei einem Stabsarzt. Es kam zu einer Hauptverhandlung vor dem Zen­tralgericht des Heeres in Berlin we­gen Wehrkraftzersetzung. Ohne Entlastungszeugen. Vater Justin Bello wurde des Saales verwiesen, der Sohn zum Tode verurteilt. Gna­dengesuche der Familie blieben er­folglos. Dies wurde Heinz Bello am 29. Juni 1944 um sechs Uhr mor­gens mitgeteilt. Und, dass er um acht Uhr hingerichtet werde. Bello schreibt an Eltern und Geschwister: „Ich habe mich ganz in seinen heili­gen Willen ergeben und gebe mein Leben für ein besseres christliche­res Deutschland!“

Dem katholischen Standortpfar­rer sagt er: „Meine letzten Worte sollen sein: Alles zur größeren Ehre Gottes!“ Ohne Binde und Fesseln wartete Bello betend auf die Salve des Erschießungskommandos. Der 24-Jährige starb um 8.12 Uhr. Seit­dem verehren ihn Christen am Nie­derrhein und im Münsterland als einen der Blutzeugen des National­sozialismus.

Rudolf Borchardt 1877-1945

Erinnern wir uns, dass Rudolf Borchardt zwei Jahre, nämlich von 1893 bis 1895 bei seinem Lehrer und Mentor Witte in Wesel, Tückingstr. 852 gewohnt und Ostern 1895 am Königlichen Gymnasium zu Wesel das Abitur abgelegt hat. Rudolf Borchardt war mit dem Oberlehrer Witte von Marienburg (Westpr.) nach Wesel gezogen, weil Witte vom dortigen Königlichen Gymnasium nach Wesel versetzt worden war. Die Versetzung brachte Witte immerhin den Titel eines Gymnasialprofessors ein. Ob sich Rudolf Borchardt nach dem Abitur jemals wieder in Wesel aufgehalten hat, lässt sich nicht feststellen. Die Wahrscheinlichkeit ist gering. Wesel, die preußische Garnisonsstadt, interessierte ihn nicht. Doch über das Königliche Gymnasium zu Wesel und seine Ausbildung dort hat er sich in durchaus anerkennenden und gerade heute wieder nachdenkswerten Worten geäußert: „Meine Knabenzeit verging, wie Du weißt, in kleinen Städten zuerst des östlichen preußischen dann des westlichen rheinischen Nordens, unter enge gestellten rechtschaffenen Leuten von strenger Führung und altväterlicher Bildung, an gelehrten alten Schulen des besten alten Schlages, die scharf zugriffen, bestimmt formten, und soviel Geist als ihnen zu bewahren zustand, mitzuüberliefern sich angelegen sein ließen….Zeitlos zu sein war ihr Stolz und ihr Lehrziel. Nur Unwandelbares wurde mitgeteilt, in ungewandelten Formen; man verwaltete ein unabsehbares eisernes Erbe; das der klassischen deutschen Humanität.“ (Rudolf Borchardt, Eranos-Brief, Klett, Prosa I, Seite 92)

zuströmen, wie sie sich auf magnetisches Geheiß zu majestätischen Bögen spannen und Abgründe überbrücken, ohne auch nur einen Augenblick die Fassung zu verlieren, wie sie, selbst am Rande des Absturzes, die Rettung niemals verweigern und, durch keine andere Kunst als die einer phänomenalen Syntax,

Rudolf Haffner

Franz Etzel 1902-1970

Pionier Europas und Ehrenbürger Wesels


„Bergmannslehrling, Notar, Politiker, Vizepräsident der Montanunion, Aufsichtsratsvorsitzender der Niederrheinischen Bank, Bundesfinanzminister und Privatbankier – das sind die Stationen im Lebenslauf einer der profiliertesten Persönlichkeiten des Niederrheins in der Nachkriegszeit“, so untertitelt Jutta Prieur ein Bild von Franz Etzel zu ihrem Beitrag in dem Buch „Niederrheinische Unternehmer“5. Diese Stichworte markieren den ungewöhnlichen Weg eines Schülers unseres Gymnasiums.
Ungewöhnlich war zu Beginn unseres Jahrhunderts, dass der Sohn eines Maurerpoliers die Möglichkeit zum Besuch einer Höheren Schule überhaupt bekam. Der am 12. August 1902 in Wesel geborene Friedrich Karl Franz Etzel fand Aufnahme in der Realschulabteilung. Als Untersekundaner, knapp sechzehn¬jährig, kam er mit dem Ersten Weltkrieg direkt in Berührung. Im „Jahresbericht des Gymnasiums 1918/1919″ findet sich ein ausführlicher (handgeschriebener) Bericht des Oberlehrers Dr. Westermann mit dem Titel “Weseler Gymnasiasten im Etappengebiet“. Unter 15 ausgewählten Schülern war auch Franz Etzel. 10 Wochen lang hatten die „Jungmannen“ in der Nähe der Front in Nordfrankreich harte landwirtschaftliche Arbeit zu leisten, bevor sie … neu gestärkt an Leib und Seele“ wieder heimkehrten. Die Bedeutung, die die Schule diesem Kommando beimaß, wird nicht nur aus dem Umfang des Berichtes und einem eingeklebten Foto der uniformierten Schüler, sondern auch aus dem Schlusssätzen ersichtlich: „Der Zweck des Unternehmens war erreicht: Jungdeutschland hatte … praktisch für das Vaterland mitarbeiten dürfen und war durch die strenge Zucht militäri¬scher Führung gegangen.“

Vielleicht ist dieses Schlüsselerlebnis in der Jugendzeit für das spätere europäische Engagement Etzels nicht ohne Bedeutung gewesen. Zunächst aber war wohl die wirtschaftliche Not ausschlaggebend für seinen Schulabgang in Obersekunda. Doch der auf der Zeche Sterkrade unter Tage arbeitende Bergmannslehrling holte in den Abendstunden sein Abitur nach, studierte Rechts-, Staats¬und Wirtschaftswissenschaften und ließ sich 1930 als Rechtsanwalt und Notar (ab 1939) in Duisburg nieder. Auch seine Erlebnisse als Soldat und Kriegsgefangener des Zweiten Weltkrieges dürften zu seinem Entschluss beigetragen haben, auf der politischen Bühne am Aussöhnungswerk der ehemaligen Kriegsgegner mitzuarbeiten.
Der Mitbegründer der Duisburger CDU gewann 1949 mit großer Mehrheit ein Direktmandat für den Wahlkreis Rees-Dinslaken und zog in den 1. Deutschen Bundestag ein. Als Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses war Etzel für den wirtschaftspolitischen Kurs seiner Partei verantwortlich. Er trat vehement für die Konzeption der Sozialen Marktwirtschaft ein und war Mitverfasser der „Düsseldorfer Leitsätze“. Sein großes internationales Ansehen führte 1952 zur Berufung zum Ersten Vizepräsidenten der Hohen Behörde der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (Montanunion) in Luxemburg.
Adenauer holte ihn 1957 nach Bonn zurück und machte ihn zu seinem Finanzminister. Etzels Buch „Gutes Geld durch gute Politik“ (Stuttgart 1959) enthält bis heute maßgebliche Gedanken und Grundüberzeugungen. Bis 1959 galt Franz Etzel als Favorit Adenauers für dessen Nachfolge, konnte sich jedoch innerhalb der CDU nicht gegen den späteren Kanzler Erhard durchsetzen und zog sich als Privatbankier aus der Politik zurück.